Alpencross: vom Bodensee zum Gardasee

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Tag 0: 20.07.2015   Anreise

Wie immer erfolgt die Anreise zum Start unserer Tour per Bahn. Diesmal treffen wir uns beim Gasthof Engel in Wolfurt bei Bregenz.

 

 

Wir, das sind unser Tourguide Horst, sein Schwager Klaus, unsere Freunde Peter und Gert, sowie ich, Gerhard sein Bruder.

Horst, Klaus und ich trafen uns bereits im Zug, und so hielt sich die Langeweile der langen Fahrt in Grenzen. Zu Dritt legten wir die ersten Radkilometer bis zur Unterkunft zurück.

Bei einem gemütlichen Abendessen fanden wir alle gemeinsam Zeit Neuigkeiten auszutauschen.

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Tag 1: 11.07.2015   Wolfurt – Damüls

Mit guter Laune und bei prachtvollem Wetter starten wir auf die erste Tagesetappe. Unser Weg führt recht bald auf Schotter zunächst leicht steigend bis Dornbirn, später steiler werdend bis zur Untersehrenalpe auf 1297m ü.d.M.

Wir genießen die erste nennenswerte Abfahrt und erreichen, der Bregenzerache folgend, den Ort Au, wo wir uns eine Rast gönnen ehe es bei 36° die steile Asphaltstraße bis zu unserem Tagesziel Damüls hinauf geht. Zu unserem Glück gibt es im Hotel Garni Alpina heute einen Grillabend und wir gehen gut gestärkt zu Bett.

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Tag 2: 12.07.2015   Damüls – Freiburger Hütte

Wir verlassen Damüls im morgendlichen Sonnenschein und kommen, dem Schotterweg folgend nach 5 km zu unserer ersten Tragestrecke dieser Tour. Bald danch geht es aber lockere 600 hm hinunter zum kleinen Ort Sonntag im großen Walsertal. Hier nehmen wir die Pendelbahn zwischen Sonntag und Stein und lassen uns auf knapp 1300m ü.d.M bringen. Hier führt unser Weg durch den „Klangraum Stein“, ein interaktives Projekt, welches sich mit der Natur und ihrer Klanglandschaft auseinandersetzt, weiter über die Unter- und die Oberpartnomalpe, um den Garmil zur Lagutzalpe. Nach einer weiteren Schiebestrecke erreichen wir die Freiburger Hütte auf 1931m wo wir diese Nacht bleiben.    

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Tag 3: 13.07.2015   Freiburger Hütte – Heilbronner Hütte

Letzte Nacht hat es geregnet und es nieselt weiter. Eine anspruchsvolle Abfahrt zu Beginn erleichtert die Fahrt in unserer Regenkluft. Recht bald trocknet es auf und wir erreichen Dalaas. Leider hat Peter bereits von Beginn an Motivationsprobleme und entscheidet sich die Tour abzubrechen. In schwermütiger Stimmung trinken wir noch einen Abschiedskaffee und setzen die Reise zu viert Richtung Kristbergsattel fort. Ein sehr angenehmer Weg bringt uns durchs Montafon ins Wasserstubental und dort zum urigen Berggasthaus „Hasahüsli“. Gestärkt geht es der Litz entlang wieder bergauf über die Ronaalpe, die untere Gaflunaalpe, die untere Dürrwaldalpe, di e untere und obere Freschalpe durchs Silbertal. Beim „Langen See“ gönnt sich Klaus ein erfrischendes Bad bevor wir über das Silbertaler Winterjöchle ins Schönverwalltal wechseln. Wir überschreiten wieder die 2000m Marke und folgen der Rosanna und dem Albonabach bis zu unserer heutigen Unterkunft, der Heilbronner Hütte auf 2320m.

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Tag 4: 14.07.2015   Heilbronner Hütte – Scuol (CH)

Der morgendliche Ausblick zeigt uns eine lange Abfahrt über die Schotterstraße und ist ein angenehmer Start zu unserer heutigen langen Etappe. Bei einer kurzen Rast findet Klaus wie so oft sofort Freunde, diesmal ist es ein Pony. Unser Weg führt nun vorbei am Stausee Kops und dem Zeinisjoch hinunter nach Galtür. Entlang der Trisanna führt ein sehr schöner Radweg noch immer leicht fallend bis zum Wintersportort Ischgl. Hier entscheiden wir uns für die einfachere Variante und lassen uns mit der Silvrettabahn und der Filmjochbahn bis auf 2757m zum Viderjoch bringen. Was hier oben im Winter ein großzügig angelegtes Schisportgebiet ist, ist nun im Sommer ein Wander- und Mountainbike Treffpunkt. Leider sind nun auch die enormen Eingriffe in die Natur deutlich sichtbar, auch wenn das Panorama in alle Himmelsrichtungen überwältigend ist. So fahren wir auf einer 3-spurigen Schotterstraße über die Greitspitze, dem Salaaser Kopf, vorbei am Palinkopf, nun endlich wieder einem natürlichen Weg folgend über das Zeblasjoch Richtung Fuorcla da Val Gronda in Richtung Schweiz. Nach einer kurzen Rast auf der Staatsgrenze lassen wir die Heidelberger Hütte rechts liegen und kommen über ein weiteres Schiebestück ins Val Chöglias, einem wunderschönen Weg entlang dem Bach Aua Chöglia, den wir teils über Stege, teils über Hängebrücken öfters queren. Ohne große Anstrengungen führt unser Weg auf eidgenössischem Boden durch das kleine Bergdorf Sent zu unserem Ziel, das Hotel Chasa Valär in Scuol.    

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Tag 5: 15.07.2015   Scuol (CH) – Santa Caterina (I)

Dieser Morgen beginnt mit einer schlechten Überraschung. Gert hat gesundheitliche Probleme und muss ebenfalls die Tour abbrechen. So setzen Horst, Klaus und ich unsere Reise nur mehr zu dritt fort.

Von Beginn an steil, nach 200hm aber etwas gemächlicher führt unser Weg auf einer Schotterstraße nach Süden, dem Clemgia folgend bis zum idyllischen Ort S-charl, einem ehemaligen Bergarbeiterdorf. Hier treffen wir zahlreiche Wanderer und Biker, die das schöne Wetter für einen Ausflug nutzen. Das Val S-charl zieht sich über mehrere Kilometer bis auf 2135 m Seehöhe. Die Berge ringsum und der sich durch das Tal schlängelnde Bach sind ein Anblick für sich. Wieder heißt es 200hm schiebend zu bewältigen, dann befinden wir uns auf einem Plateau in 2300m Höhe. Entlang des Wanderweges treffen wir zu Mittag am Ofenpass, ein beliebter Mountain-, Road- und Motorbike Treffpunkt ein. Nach einer kleinen Stärkung führt unsere Reise westlich um den Piz Daint weiter. Hier in 2330m Seehöhe beginnt eine sehr lange und sehr schöne Abfahrt entlang des Val Mora, um den Piz Mon‘ Ata, über den Passo Val Mora bis zu den Stauseen Lago di San Giacomo di Fraele und Lago di Cancano. Nach wenigen Kilometern geht es nun über 21 Kehren steil hinunter ins italienische Premadio und weiter nach Bormio. Um uns die herrlichen Eindrücke des Tages nicht zu verderben nutzen wir für die letzten Kilometer auf der schmalen, stark befahrenen Straße hinauf nach Santa Caterina einen Shuttelservice und erreichen so das Hotel Garni Thurwieser, wo wir unser heutiges Quartier gebucht haben.

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Tag 6: 16.07.2015 Santa Caterina (I) – Rifugio a Bozzi (I)

Heute wollen wir einen Weg versuchen bei dem wir nicht wissen ob wir mit unseren Rädern weiter kommen oder umkehren müssen. Wir lassen uns per Shuttle die schmale Straße auf den Gavia Pass bringen und schwingen uns beim Lage Bianco auf 2600m auf die Räder. Unser Ziel liegt auf der gleichen Höhe, aber hinter einer Bergkette die es zu überqueren gilt. Die ersten Kilometer treten wir die Pedale über steinigem Weg, müssen aber recht bald unsere Räder schieben. Immer beschwerlicher stellen sich uns grobe und gröbere Steine in den Weg. Teils schiebend, teils tragend kommen wir unserer größten Hürde immer näher. Ein Berggrat stellt sich uns mächtig in den Weg. Unsicher, ob wir uns dieser Herausforderung stellen sollen machen wir Pause und erkunden die Möglichkeiten dieses Hindernis zu überwinden. Unser gedachter Weg ist vereist und verschlammt und nicht begehbar und unsere Motivation sinkt merkbar. Rein zufällig finden wir aber doch eine der spärlichen Markierungen oberhalb eines Schneefeldes und wir erkunden zunächst wie dieser Steig weiter verläuft. Sehr behutsam schlagen wir Tritte in Serpentinen um das Schneefeld überwinden zu können. Weiter geht es über einen an und für sich leichten Klettersteig dessen weiterer Verlauf uns hoffen lässt unseren Weg fortsetzen zu können. So steigen wir wieder hinunter um unsere Räder zu holen. Beim neuerlichen Aufstieg mit den Rädern auf den Schultern findet jeder seine Grenzen und einen Punkt an dem er sich überwinden muss. Wie die drei Musketiere helfen wir einander und sind sehr erleichter den Grat auf 3100m Seehöhe zu erreichen. Der Ausblick ist überwältigend. Kaum 100m müssen wir die Räder nun auch hinunter tragen, aber dann finden wir einen Weg der uns all unsere Anstrengungen vergessen lässt. Quer zum steilen Hang, leicht fallend, breit genug für unsere Räder rollen wir mehrere Kilometer die Landschaft geniesend unserem Ziel dem Rifugio a Bozzi entgegen. Hier treffen sich zahlreiche Mountainbiker um sich für die Weiterfahrt zu stärken. Die gute Bewirtung und die Freundlichkeit sprechen für sich. Wir werden aber diese Nacht hier bleiben, und so bleibt genug Zeit für ein Bad. Klaus lässt es sich trotz windigem Wetter nicht nehmen den See zu durchschwimmen. Diese Etappe wird zwar die kürzeste unserer Tour bleiben, aber für mich ist es die mit den am längsten bleibenden Eindrücken. Solche Erlebnisse lassen sich nicht planen, sie geschehen und ich bin dankbar das erlebt haben zu dürfen.

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Tag 7: 17.07.2015 Rifugio a Bozzi (I) – Madonna di Campiglio (I)

Heute folgt nach einem kurzen Anstieg eine sehr lange schöne Abfahrt nach Cogolo, Fucine und Ossana. Von hier steigt unser Weg wieder an und wir fahren einen angenehmen Schotterweg empor. Vorbei am Lago dei Caprioli machen wir einen Fehler und fahren weiter entlang des Wanderweges. Recht bald heißt es wieder einmal schieben. Wir hätten doch am Forstweg bleiben sollen. Aber eine Portion Polenta mit Steinpilzen auf der Malga Alta gibt wieder Kraft für unseren weiteren Weg.

Ab hier möchte ich diesen Nachmittag am liebsten aus meinem Gedächtnis streichen. Wie sich jetzt zeigt haben meine Radschuhe die Belastung unserer Kletterpartie nicht gut überstanden. Die Sohle ist gebrochen und nun macht auch der Klipp am Pedal Probleme. Zuerst muss ich den Schuh mit Gewalt vom Pedal lösen, dann hält der Klipp überhaupt nicht mehr. Auch beim Gehen löst sich die Sohle bei jedem Schritt etwas mehr. Noch dazu ist der nun folgende Abschnitt auch ohne Rad schwer begehbar. Meine Motivation ist im Keller und meine Mitstreiter haben ihr Leid mit mir. Aber der Weg ist das Ziel, und so gelingt es mir auch das heranziehende Gewitter zu ignorieren und trotte stur den anderen hinterher. Ich hoffe am heutigen Ziel Madonna di Campiglio neue Radschuhe kaufen zu können. Leider kann man hier im Sommer zwar Schischuhe, aber keine Radschuhe kaufen! Madonna di Campiglio ist eben ein reiner Wintersportort und voll auf Tourismus ausgerichtet. Fast jedes Haus ist ein mehrstöckiges Hotel. Da unser Quartier, das Hotel Garni dello Sportivo, leider kein Restaurant bietet, müssen wir suchen bis wir ein Gasthaus für unser Abendessen finden.

Für morgen planen wir uns zu trennen so dass ich im nächsten Ort Pinzolo mein Glück versuchen und neue Schuhe kaufen kann. Zu Mittag sollten wir uns auf halben Weg wieder treffen.

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Tag 8: 18.07.2015 Madonna di Campiglio (I) – Riva del Garda (I)

Ja, es ist der letzte Tag unserer Tour und der Gedanke die Gruppe nochmals zu verkleinern gefällt uns gar nicht. Wie so oft kommen einem die besten Ideen im Schlaf, uns so gelingt es mir mit Kabelbinder meine Radschuhe soweit zu reparieren, dass ich zumindest versuchen will diese letzte Etappe zu schaffen. Wir verlassen Madonne di Campiglio in südlicher Richtung und recht bald führt unser Weg entlang des Rio Valagola stetig bergauf. Gleichmäßig schrauben wir uns der Schotterstraße folgend bis zum Lago di Valagola auf 1596m hoch. Nur kurz verweilen wir um die Schönheit dieses Ortes zu genießen, denn es wartet ein kurzes Stück Schiebestrecke hinauf zum Passa Bregn del Ors. Somit ist auch der Belastungstest meiner Kabelbinder bestanden. Auf leichtem Untergrund rollen wir nun vorbei am Passo del Grotto zur Malga Movlina, eine der zahlreichen, schön angelegten Almen dieser Region. Wir wählen den Weg durch den Wald und genießen den anspruchsvollen Trail hinunter zum Albergo Brenta, wo wir die Mittagspause mit der Aussicht auf die umliegenden Berge genießen. Auf Asphalt folgen wir dem Rio d’Algone und setzen unseren Weg nach Stenico und Ponte Arche fort. Dem Ziel schon nahe treten wir bei bis zu 42°C durch Campo Lomaso und verlassen bei Dasindo wieder die Straße in den kühleren Wald. Vorbei an der Malga Lomasone folgen wir dem Weg durchs Tal und kommen zu den beiden letzten Anstiegen unserer Tour. Der würdige Abschluss ist eine lange Abfahrt über einen steinigen Weg, der uns und unsere Räder noch einmal kräftig durchschüttelt. Die letzten Kilometer führen uns durch die Weingärten von Ceole und wir erreichen unser Ziel, das Hotel Albergo Ancora in Riva del Garda.  

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Erschöpft aber glücklich am Ziel - ENDE

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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